Mit dem Larynxtubus innovativ Leben retten

Neuerungen sind in der Technik und so auch in der Medizin gang und gäbe. Mit dem Larynxtubus, einer Beatmungshilfe für den Einsatz durch DLRG-Sanitäter, lösen wir ein ganz spezielles Problem und leisten Pionierarbeit im Bereich der Wasserrettung.

Aus medizinischer Sicht hat ein bewusstloser, atmungsloser Mensch damit zu kämpfen, dass sich durch das Erschlaffen seiner Muskulatur und verschiedene andere Einflüsse seine Beatmungsfähigkeit verringert. Es besteht die Gefahr, der Aspiration. Diese kann durch die Beatmung eines solchen Patienten mit Beatmungsbeutel und -maske vergrößert werden.

Im Bereich der Wasserrettung kommt hinzu, dass eine erfolgreiche Wiederbelebung an Bord eines Rettungsbootes und der Transport unter Beatmung in den unwegsamen Uferbereichen mittels der bisher standardmäßig gelehrten Beutel-Masken-Beatmung nur schwer möglich wären. Die Anwendung des sogenannten C-Griffs, mit dem die Maske auf das Gesicht gepresst wird, erfordert schon unter normalen Umständen Übung und Geschick – in diesen Extremsituationen ist eine „saubere“ Beatmung nur schwer möglich. Ertrinkende haben während ihres Abwehrkampfes zudem eine große Menge Wasser in den Magen geschluckt, was das oben genannte Problem der Beatmungsfähigkeit vergrößert.

Aus diesem Grund schulen wir fortgeschrittene Sanitätskräfte (SanB) auf die Anwendung des Larynxtubus und einer Magensonde. Der Larynxtubus wird dazu über den Mund des Patienten bis zum Eingang der Speiseröhre in die oberen Atemwege eingeführt. Durch zwei Ballons (sogenannte Cuffs) im Bereich von Zungengrund und Speiseröhreneingang wird ein abgeschlossenes Atemwegssystem geschaffen, dass die direkte Beatmung des Patienten mittels Beutel und Sauerstoff in die Luftröhre ermöglicht. Es handelt sich hierbei nicht um die allseits bekannte Intubation!
Menschen bei Ertrinkungsunfällen erhalten zusätzlich über eine zweite Öffnung des „LT“ eine Magensonde, die das Ablaufen des geschluckten Wassers ermöglicht und die Beatmungsfähigkeit des Patienten vergrößert.

Bereits 2006 startete in Mannheim ein Pilotprojekt der DLRG Mannheim mit dem heutigen Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin an den Krankenhäusern Buchen und Mosbach, Privatdozent Dr. Harald Genzwürker (damals Universitätsmedizin Mannheim). Dr. Genzwürker führte gemeinsam mit uns erstmals den Larynxtubus in der Wasserrettung ein. Durch die Zusammenarbeit mit dem Referat Medizin des Landesverbandes (LV) Baden und unter Einfluss eines ähnlichen Projektes des DLRG-Bezirks Karlsruhe entstand durch den LV ein flächendeckendes Pilotprojekt für die 11 Sanitätszentren von Mannheim bis Konstanz.

Dieses aktuell (2011) noch im Fluss befindliche Pilotprojekt wird vom DLRG-Bundesverband beobachtet. Es soll künftig durch eine flächendeckende Schulung zumindest der DLRG-Sanitäter (SanB) im Rahmen ihrer Erstausbildung und weiterführende Nachschulungen abgelöst werden.

Die Ausbildung und der Einsatz des Larynxtubus und Magensonde sind für den Bereich des Bezirks Mannheim derzeit auf ein Mindestalter von 18 Jahren beschränkt. Rund 20 ausgebildete Wasserretter stehen derzeit zur Anwendung dieser Maßnahme zur Verfügung.